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Italienisch - Dolce Vita im Blickwinkel


Die Italienisch sprechende Gesamtpopulation ist weltweit eher klein und flächendeckend weitgehend auf den Mittelmeerraum, sprich das italienische Staatsgebiet (plus Schweiz, auch Südost-Frankreich, vereinzelt noch slawische Adriaküste und Ägäis), beschränkt. Natürlich
gibt es überall in den urbanen Zentren der westlichen Welt auch italienisch-sprachige Migranten-Exklaven ("Little Italy"), in denen nicht nur Pizza gebacken wird. Schließlich ist neben Pasta, Vino und den roten Rennern aus Maranello auch die Mafia ("Cosa Nostra") zu einem Erfolgskonzept in der westlichen Hemisphäre gediehen. Lifestyle auf Italienisch kann ganz unterschiedliche Äußerungsformen annehmen, aber selten gerät dabei ein mediterran orientiertes Dolce Vita gänzlich aus dem Blickwinkel der Betreiber und Bewunderer.

So vermeintlich klein die Anzahl indigen Italienisch sprechender Sprachteilhaber und ihrer Siedlungsgebiete sein mag, so groß ist jedoch die Geschichte dieser Sprache und ihr Einfluss auf die Entwicklung anderer Sprachen.

Die Latiner, ihre Hauptstadt Rom und ihr über Jahrhunderte expandierendes Weltreich bilden den historischen Kern von Italienisch als Sprache. Damals dachte, redete und schrieb man im Mittelmeerraum und weit darüber hinaus allerdings noch Latein. Nur wer Latein konnte, konnte im Herrschaftsgebiet der Pax Romana eine originär staatstragende, wenn auch zumeist kleine, Rolle übernehmen. Alle anderen blieben mehr oder weniger geliebte oder ungeliebte Vasallen, Erfüllungsgehilfen, Handlanger, Fremde, Barbaren oder unfreiwillig Schutzbefohlene.

Der lateinisch sprechende Römer war privilegiert, war Staatsbürger, gehörte aber immer - selbst wenn er arm war (was er zumeist auch war) - zu einer zahlenmäßigen Minderheit im "eigenen" Imperium. Das konnten auch Dutzende von Legionen (jeweils mindestens 5000
Mann) und ungezählte Garnisonen der römischen Militärmacht, in denen das Lateinische Kommandosprache war, nicht merklich relativieren. Mare Nostrum ("unser Mittelmeer") blieb zumindest sprachlich immer ein Wunschgebilde.

Endlich morsch geworden und unter äußerem Druck zersplitterte, erstarb und zerstob dieses Weltreich. Die lateinische Sprache überlebte nur bei einer dünnen Schicht Schriftkundiger, Geistlicher und jenen Herrschenden mit Bildungshintergrund als elitäre und zunehmend anachronistische Kommunikationsform, als Sprache ohne lebendige Grundlage. Aus der lateinischen Sprache heraus, eigentlich im Keim schon lange parallel umgangssprachlich maßgeblich, trat die Volkssprache Italienisch hervor, die in ihrer territorialen Inkonsistenz und ihren widerstrebenden Varianzen sprachwissenschaftlich zur Entwicklungsabfolge Vulgärlatein, Protoromanisch bzw. dialektale Volkssprachen, Volgare formiert wird. Aber erst im 13. und 14. Jahrhundert fand unter literarischem Einfluss (Dante Alighieri, Francesco Petrarca, Giovanni Boccaccio) eine Grundlegung und dann fortschreitende Konsolidierung für die italienische Sprache als vereinheitlichte Verkehrssprache statt. Dennoch zerfiel Italienisch weiterhin in stark divergierende, oft regional ganz vereinzelte Dialekte.

Nichtsdestotrotz nahm Italienisch jetzt als sich unifizierende Hochsprache langsam normative Gestalt an und profitierte in der Renaissance (15. und 16. Jahrhundert) von der Blüte der Stadtstaaten Venedig, Pisa, Genua, Florenz, Mailand, Verona und auch Vatikan. Diese urbanen Zentren mit ihrer ökonomischen, politischen, militärischen, kulturellen und auch ideologischen Kraft nivellierten das Italienisch zusätzlich und strahlten es weit über seinen Sprachraum hinaus. Nun errang das Italienische auch weit reichende europäische Geltung in Handel, Finanzwirtschaft, Kriegswesen, Logistik, Kunst, Technik, Wissenschaft und Religion. Etwas später wurde die italienische (E-) Musik und damit der italienische (Opern-) Gesang (Libretto, Belcanto) zum Dauerbrenner an den Fürstenhöfen und bei den Bildungsbürgern Europas. Nach wie vor erfreuen sich die Werke von Vivaldi, Verdi und Co. ungebrochener Beliebtheit, und die originär italienisch-sprachigen Begriffsprägungen in der Musiktheorie und -praxis (z.B. Adagio, Stakkato) sind bis heute unerlässliche internationale Fachtermini, zum Teil auch in der modernen U-Musik-Produktion. Im 19. Jahrhundert fand das parzellierte Italien endlich zur politischen Einheit (Garibaldi) und damit zu einer nationalen Identität und sprachlichen Geschlossenheit. Das beflügelte Wirtschaft (z.B. Automobilismus), Wissenschaft, Medien (Marconi) und Kultur (z.B. Futurismus), die ihrerseits wiederum das Italienische (Lingua italiana, Italiano) als Nationalsprache weiter konturierten und entwicklungsfähig machten. Besonders das moderne, urbane aber auch das rustikale Norditalien gehört mit seiner differenzierten und leistungsstarken Industrie-, Dienstleistungs- und Agrarökonomie zu den brummenden Wirtschaftsmotoren Europas. Dass die sprichwörtlich "italienischen Verhältnisse" als Unbeständigkeit in der Politik und Unberechenbarkeit der Verwaltung schon etwas Kontinuierliches manifestieren, scheint zu Italien, Italienisch und dem römischen Erbe dazuzugehören wie Succo mit Parmesan auf Spaghetti. Bis heute spürt man zudem in der italienischen Sprachwirklichkeit, trotz massenmedialer Überformung, ein merkliches Nord-Süd-Gefälle.


     
 

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