Spanisch - auf der Wanderung nach Norden
Die ibero-romanische Sprache Spanisch war in den Epochen der Weltentdeckung und -aufteilung des
15. - 17. Jahrhunderts auf dem besten Wege, zur globalen Verkehrssprache zu werden und dies
auch für die nachfolgenden Jahrhunderte zu bleiben. Allerdings wogen das Gold und Silber aus
Übersee sowie die Machtambitionen der spanisch-habsburgischen Herrscher und ihrer beauftragten
Granden wesentliche Defizite nicht auf.
Der angestrebten - damit auch sprachlichen - Hegemonie der Welt waren frömmelnder Dogmatismus,
überspanntes Sendungsbewusstsein, mangelnde Bevölkerungsdichte, strukturell unterdurchschnittliche
Ertragsfähigkeit der Agrarflächen sowie die Randlage auf dem europäischen Kontinent (Iberische Halbinsel)
im Wege. Die periphere Lage in Europa, nämlich die am Atlantik, erwies sich zwar temporär für Spanien
als vorteilhaft, aber schließlich als nicht dauerhaft günstig. Weit über ein Jahrhundert lang konkurrierten
die Atlantik-Anrainer Spanisch und Englisch transatlantisch um die Dominanz. Dann überließ Spanien den Briten
die Seeherrschaft, verzettelte sich bei seinen niederländischen Latifundien und verausgabte sich schließlich
im Dreißigjährigen Krieg. Übrigens schwelt der Konflikt mit "dem Englischen" an Gibraltar (seit 1704/13)
bis heute weiter.
Erst mit dem Abstreifen innerer Zwänge und Widersprüche in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde
Spanien zur modernen Nation. Dadurch erlebte auch die spanische Sprache einen erheblichen Bedeutungs- und
Imagegewinn. In den letzten Jahrzehnten formten nicht zuletzt auch Quantität und Qualität der
Entwicklungstendenzen in ganz Europa ein modernes Spanien und zeitgemäßes Spanisch. Heute ist Spanisch
im Bereich Fremdsprachenerwerb sehr beliebt und folglich stark frequentiert.
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