Wie Englisch zur Weltsprache wurde...
...oder warum man mit Englisch häufig weiterkommt und ohne Englisch oft überhaupt nichts kommt
Englisch, genauer die englische Sprache, ist Weltsprache Nummer eins.
Wenn man es genau betrachtet, ist das Englische die einzige Weltsprache.
Mit 340 Millionen Muttersprachlern in ca. 60 Ländern (auch Amtssprache) liegt
das britische und amerikanische Englisch (BE, AE) zwar im globalen Prokopf-Ranking
hinter Chinesisch (1,2 Milliarden) und Spanisch (370 Mio.) zurück. Sicher ist aber auch,
dass ein Chinese außerhalb der Landesgrenzen besser radebrechend mit Englisch weiterkommt
als mit fließendem Hochchinesisch.
Spanisch ist zwar in Anzahl und Fläche stärker denn je auf dem Vormarsch, hatte aber
nach dem lateinamerikanischen Goldrausch und dem Untergang der Armada (16./17. Jahrhundert)
seine größte Chance, dominante Weltsprache zu werden, vertan.
Des einen Leid, des anderen Freud: Die aufstrebende Kolonialmacht England nutzte
die Schwäche des Wettbewerbers Spanien und exportierte das Englische mit Hilfe von
Entdeckern, Siedlern, Missionaren, Forschern, Händlern, Erfindern und auch Militärs "all over the world".
Im kolonialen Afrika, in Vorder-, Zentral-, Ostasien, auf dem indischen Subkontinent, im Pazifikraum
und besonders in den Erdöl fördernden Gegenden dieser Welt sprach und spricht man sicher nicht ausschließlich
aber doch sehr häufig Englisch.
Die Entdeckung Australiens entwickelte sich zu einem weiteren Schritt weltweiter
Sprachexpansion des Englischen.
Der eigentlich größte Exporterfolg der englischen Sprache gelang aber mit der
Besiedlung Nordamerikas durch Pilgerväter und Auswanderer, die man modern auch
als Abenteurer und Wirtschaftsflüchtlinge bezeichnen könnte. Mit dem Triumph
der "Separatisten" über das Mutterland im Unabhängigkeitskrieg und der Gründung der
USA (1788) entstand das politische, ökonomische, soziale, kulturelle und damit sprachliche
Fundament für eine Erfolgsstory, deren Dynamik den Weltenlauf bis heute nicht
unwesentlich beeinflusst.
Hier nur zwischendurch bemerkt: Der "Personal Computer (PC)", das "Internet" und
die "Web Site", auf der dieser Text zu lesen ist, sind weltweite Standardbegriffe
der englischen Sprache für originäre Technologien aus dem US-amerikanischen Sprachraum ...
Doch noch einmal zurück: Schon am Ende des 19. Jahrhunderts lag die Güterproduktion der
Vereinigten Staaten uneinholbar vorn, gefolgt von der Großbritanniens (Empire) - beide
beherrschten die Weltwirtschaft, sodass selbst die starke deutsche Konkurrenz mit dem
englischsprachigen Idiom "Made in Germany" werben musste.
Während United Kingdom nach 1945 vorübergehend etwas schwächelte, drängten die USA
mit aller Kraft in die Globalpolitik. Mit den Weltkriegserfolgen, dem "Leadership"
im Kalten Krieg, dem US-Massenwohlstand (größter nationaler Binnenmarkt der Welt)
und den technologischen Revolutionen (Luftfahrt, Raumfahrt, Rüstung, Massenmedien,
IT sowie landwirtschaftliche Überproduktion) waren die "Amis" für die gesamte
Weltentwicklung stilbildend und beglückten andere Kulturräume mit einer Flut von
Sprachexporten (Amerikanismen).
Von nun an war in den natur-, geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen
Forschungs- und Entwicklungsbereichen sowie in der Wirtschaft und der Politik
die englische Sprache Grundlage internationaler Kommunikation. Daran hatte auch
das Commonwealth gewichtigen Anteil. Nur im Machtbereich der Sowjetunion und dem
Chinas verhielt es sich noch lange anders.
Folgerichtig wurden die, die sich damals stolz "Teil der freien Welt" nannten, meist
politischer, militärischer und/oder ökonomischer Bündnispartner des großen amerikanischen
Bruders. Der Charme des Dollars als Welt-Leitwährung war geradezu erotisierend ...
Zum anderen hatten auch vermeintlich gegenläufige, zumindest alternative Impulse wie
Sit-Ins, Beatniks, Performances, Hippies und Happenings ihren Quell an der US-Westküste
oder zumindest in der Londoner Carnaby Street. Damals war das "in", weil es den Ausbruch
aus zivilisatorischer Enge versprach.
Wenig später wurden daraus Exporthits: Fröhlich-bunter Gemeinschaftsindividualismus oder
cooles Outsiderpathos etablierten sich weltweit als Werbe-Sujets. Auch hier erwiesen sich
US-Amerikaner und ihre britischen Kollegen als geniale Produktentwickler und perfektionierten
das Marketing in "Woodstock", "Hair", "Jesus Christ Superstar", "Monty Python's Flying Circus"
und "Easy Rider".
Apropos, Gegenkultur versus Massenkultur:
Zeitlich etwas früher war mit der Erfindung von Kaugummi, Hollywood, Marilyn Monroe,
Elvis Presley, Bugs Bunny und Co der globale Siegeslauf des American Way of Life sowieso
schon programmiert. Begrifflichkeiten wie Star, Rock, Pop, Rap, Party, Cola oder Hamburger (!)
sind international zu Synonymen jugendlicher Lebensfreude und steigender Umsätze geworden.
Deshalb gibt es für sie auch so gut wie keine wortwörtlichen Übersetzungen, denn Rock
bleibt Rock und Rap bleibt Rap - überall in der Welt. Die Briten gingen mit den
Unterhaltungsikonen "The Beatles" und "James Bond" in den Export. Beide sind bis heute
Massen- und Kassenlieblinge geblieben. Übrigens genoss der britische Rock in kontinentalen
Radiocharts, Kinderzimmern und Wohngemeinschaften eine größere Zuwendung als sein amerikanischer
Verwandter. Dies relativierte sich erst in den achtziger Jahren. Und beide Nationen hegemonieren
unvermindert die Popkultur, indem sie sie täglich neu erfinden.
Also, sich englisch auszudrücken, ist und bleibt seit Jahrzehnten groovy, hip und trendy,
denn Englisch ist die Sprache universeller Identifikationsmöglichkeiten (Images), weil sie
im Weltbewußtsein als die Sprache der Erfolgreichen gilt, ob diese sich nun angepasst oder
unangepasst geben.Aber nicht alles, was sprachlich anglo-amerikanisch daherkommt,
ist wirklich authentisch. Zum Beispiel sind Begriffe wie "Showmaster" und "Handy" primär
deutsche Sprachprägungen und können außerhalb auf Verständnisprobleme stoßen.
Englisch ist eben auch "in der Fremde" extrem produktiv, denn es kennt eigentlich keine
Fremde, allenfalls ein Außerhalb. Das liegt auch an seiner sprachstrukturell benutzerfreundlichen
Klarheit. Trotzdem noch einmal: Nicht jede Varianz des Englischen globalisiert
sich (klassisches Beispiel: Pidgin English). Die Stammlande USA und Great Britain geben
bei Begriffsprägungen und idiomatischen Fügungen in eigener Sache eben immer noch den Ton
an und das "Copyright" vor. Die Originale sind eben durch nichts zu ersetzen.
Last, not least: Englisch ist in den letzten Jahrzehnten auch deshalb unangefochtene
Weltsprache oder zumindest weltweite Zweitsprache geworden, weil besonders die USA aber
auch UK und Kanada in der ökonomischen Weltdurchdringung und deren Deutungshoheit
(Wirtschaftswissenschaften) zu kraftstrotzenden Erfolgsleitbildern geworden sind.
Zur Erinnerung: Die beiden wichtigsten Finanzhandelsplätze der Welt liegen in New
York und London. Das wird wahrscheinlich auch noch lange so bleiben.
Übrigens, welches Wort kommt dem häufig gebrauchten Begriff "Manager" wohl am nächsten?
Vielleicht "Leiter", "Führungskraft", "Bevollmächtigter", "Macher" oder ...?
Keines so richtig! Nicht zuletzt deshalb ist das Lexem "Manager" längst auch "deutsch"
geworden! Wie so viele Anglizismen vor und nach ihm ...
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