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Französisch - für Revolution und Lebensart

Das gallo-romanische Französisch (français) behauptet auch nach 1945 seine Geltung als Weltsprache. Erwartungsgemäß ist Frankreich nach dem Kriegsdebakel (1940) und dem
Verlust seiner Kolonien in Asien (Vietnam 1954) und Afrika (Algerien 1962) eine globale Wirtschaftsgröße (G8) geblieben und zur einflussreichen Atommacht geworden.

Im heutigen Europa gilt Französisch neben Englisch als Kommunikationsdominante in den Wirtschaftsbereichen des zivilen und militärischen Flugzeugbaus sowie in der Raketen- und Weltraumtechnik. Als Produzent von Fahrzeugen, Militärgerät, Elektronik, (Atom-) Energie, pharmazeutischen Erzeugnissen sowie als Exporteur veredelter Nahrungsmittel (Käse, Wein) und - fast schon apodiktischer - Wahrer und Entwickler verfeinerter Esskultur und Lebensart haben Frankreich und sein Französisch weiterhin starken Einfluss auf das kommunikative Weltgeschehen.

Politisch wird in Frankreich häufig der Hahn zum Kampfhahn: Drei trendige Revolutionen (1789, 1830, 1848) und jede Menge Meutereien und Revolten (z.B. 1871, 1916, 1961, 1968, 2005) erschütterten bisher sowohl das imperiale als auch das republikanische Frankreich. Deshalb
gilt Französisch bei vielen als die Sprache der Freigeister, Vordenker und Revolutionäre - Französisch steht zum anderen aber auch für ein sehr konservativ geprägtes Staatswesen
von Zentralismus, merkantiler Wirtschaftsordnung, Präsidialherrschaft und der Inszenierung des Pomps von vorgestern (pardon: Traditionspflege) ...

In den beiden Verwaltungshochburgen der europäischen Union, Brüssel und Straßburg, ist Französisch als hergebrachte Sprache von Diplomatie und Politik in den EU-Institutionen weiterhin administrativ so mächtig, dass seine mangelnde Kenntnis ein profundes Karrierehemmnis darstellt. Dies ist nicht nur Standort bedingt.

Das Französische hat es als indogermanische Sprache welt-weit gebracht; die Liste der Länder und Regionen in denen das Französische Amtssprache, Zweitsprache oder zumindest alternative Regionalsprache ist, liest sich wie die Inhaltsübersicht eines Reiseprospekts:

Kanada (6,7 Millionen Sprecher)
Belgien (4,2 Millionen)
Schweiz (1,5 Millionen)
Guadeloupe (450.000)
Haiti (400.000)
Luxemburg (22.200)
Monaco (17.000)
Elfenbeinküste (18 Millionen)
Aostatal / Italien (100.000)
Gabun (38.000)
Madagaskar (35.000)
Republik Kongo (28.000)
Demokratische Republik Kongo (60 Millionen)
Dschibuti (15.000)
Marokko (33 Millionen)
Algerien (20 Millionen)
Tunesien (10 Millionen)
Mauretanien (3 Millionen)
Mauritius (1,2 Millionen)
Vietnam ...

Der aus Paris seit spätestens 1994 kulturpolitisch betriebene nationale Sprachprotektionismus ist wahrscheinlich so gut gemeint wie sinnlos, sogar kontraproduktiv: Die französische Sprache bedarf eigentlich keiner gesetzlichen Verkapselung oder vorauseilender Rettung in Form von erzwungenem Sprachpurismus, denn die selbstgewissen Franzosen verhielten sich Anglizismen gegenüber von jeher reserviert. Im Deutschen hingegen hat seit Friedrich II. ("Alter Fritz") sowie dem gebürtigen Korsen und selbst inthronisierten Napoleon eine veritable Flut von Gallizismen reüssiert, somit unsere Sprache ganz superb bereichert - und französisch zu kommunizieren, erzeugt nach wie vor hohes Sozialprestige für den Verwender und seine Adressaten.




     
 

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